Introvertiert im Job

3 Tipps für Introvertierte im Job

Für eher introvertierte Menschen wie mich, kann das Arbeitsleben auf eine Art anstrengend sein, die Extrovertierte wahrscheinlich nicht erahnen.  Gestern war zum Beispiel wieder so ein Tag, an dem ich Abends um halbneun am liebsten sofort ins Bett gefallen wäre: Nicht mehr sprechen, einfach nur Ruhe, für mich sein. Ich war tagsüber ohne Pause unter Menschen gewesen – lauter nette Menschen, mit denen ich gerne Zeit verbringe.

Doch das Gefühl am Abend erinnerte mich sehr an meinen früheren Job: Nach zwei Tagen Klausur mit meinen Kolleg*innen hätte ich mindestens einen Tag allein in meinem Einzelbüro gebraucht, um mich davon zu erholen. Für mich als Introvertierte waren die zwei Klausurtage sehr anstrengend, manche meiner eher extrovertierten Kolleg*innen blühten dort erst so richtig auf. Die Ruhe und Einsamkeit meines Einzelbüros wäre die Hölle für sie gewesen.

Heißt das nun, ich gehe nicht auf Tagungen, Klausuren oder zu Konferenzen? Nein, keineswegs. Ich achte heute einfach auf ein paar Dinge, um gesund zu bleiben und nicht völlig auszulaugen. Ich gestalte mein Arbeitsleben viel bewusster. Ich versuche nicht mehr, mich an Tempo und Rhythmus anderer anzupassen (oder vermeintlichen Erwartungen zu entsprechen) und achte heute viel stärker als früher darauf, dass meine Arbeitsweise zu meiner Energie und meiner introvertierten Art passt.

Manche Menschen ziehen ihre Energie aus der Begegnung mit anderen Menschen und aus Erlebnissen. Andere gewinnen ihre Energie aus der inneren Welt ihrer Gedanken. Beides ist gut, Menschen sind einfach unterschiedlich. Wichtig ist, dass Menschen gemäß ihrer Natur leben und nicht gegen sie.

Verschwende also deine Energie nicht damit, extrovertiert oder “normal” sein zu wollen. Oft halten wir einfach nur das für normal, was wir öfter erleben oder was uns auffällt. Und Extrovertierte bemerken wir einfach eher als introvertierte Menschen. Was heißt da also schon normal?

Du darfst sein, wie du bist. Sorge gut für dich.

1. Sorge für Pausen und Rückzugsmöglichkeiten

Nur weil du nach ein paar Stunden, die du mit vielen Menschen verbracht hast, Zeit für dich brauchst, bist du nicht seltsam. Du weißt ja, dass dich diese Zeiten anstrengen. Achte darauf, dass du dir bewusst Erholungszeiten einplanst. Zieh dich dafür in eine ruhige Ecke zurück oder geh raus und mach einen kurzen Spaziergang. In deiner Terminplanung kannst du Tage, die du mit vielen Menschen verbringen wirst, so legen, dass auf sie ein ruhiger Tag für konzentriertes Arbeiten folgt.

2. Sag nicht Ja, wenn du eigentlich Nein meinst.

Introvertierte Menschen sind für andere oft sehr angenehme Kolleg*innen und Mitarbeiter*innen, denn der Umgang mit ihnen ist meistens reibungslos, ohne viel Tamtam und Drama. Sie machen ihren Job, sagen selten Nein, übernehmen oft zusätzliche Aufgaben.

Als introvertierter Mensch solltet du dir bewusst sein, dass du auch nein sagen kannst. Du darfst zusätzliche Aufgaben ablehnen. Du darfst für deine Bedürfnisse (zum Beispiel nach Ruhe für konzentriertes Arbeiten) einstehen. Sag also nicht Ja oder schweige, wenn du eigentlich Nein meinst.

Andere können nicht wissen, wann dir etwas zu viel wird. Nur du kannst das wissen. Und nur du kannst es anderen mitteilen.

3. Bleib dir treu. Du musst dich nicht verbiegen.

In Coachings begegnet mir oft die Frage: Soll ich mich ändern? Muss ich anders sein? Und bestimmt hast auch du schon mal Sätze gehört, wie: “Du musst lernen, aus dir rauszugehen”? Oder dass du “dich mehr einbringen” sollst? Die Botschaft solcher oder so ähnlicher Ratschläge ist im Grunde ja: Du sollst anders sein als du bist und dich anpassen.

Du weißt aber ja, dass es dich viel Kraft kostet, entgegen deiner Natur zu leben. Konzentriere dich also lieber auf deine Stärken, auf das, was du richtig gut kannst.

Und versuche nicht, dich (dauerhaft) einem Verhalten anzupassen, dass dir Energie raubt.

Suche das Einzelgespräch mit Kolleg*innen, wenn du deine Ideen nicht so gerne in Besprechungen einbringst. Erkläre ihnen, dass du Ideen lieber erst gründlich durchdenkst, bevor du über sie sprichst.

Gerade weil unser Gehirn Informationen anders verarbeitet, sind wir besonders gute Zuhörer, oft sehr empathisch, können sehr gut analysieren, planen oder kreativ sein. Das alles sind Eigenschaften, die uns viel Vertrauen einbringen. Also bleib dir treu. Alles andere wäre doch schade, oder?

Wenn du Unterstützung brauchst, um dein Leben so auszurichten, dass es deiner Natur entspricht, dann helfe ich dir gerne. Schreib mir eine Nachricht oder ruf mich an und ich werde sehen, wie ich dich unterstützen kann.

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