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Elternkommunikation in der Kita – Widerstände vermeiden und Konflikten vorbeugen

Inhalte

Gelingende Kommunikation ist die Grundlage dafür, dass Menschen sich als Teil einer Gemeinschaft fühlen und erfolgreich zusammenwirken können. Das gilt natürlich auch in der Kita. Die Elternkommunikation, sei sie geplant oder spontan, im Alltag oder in Konflikten, stellt hohe Anforderungen an das pädagogische Personal. Zugleich ist sie entscheidend für eine gute Beziehungsgestaltung zu den Eltern und bildet die Grundlage einer gelingenden Erziehungspartnerschaft.

Zu einer professionellen Kommunikation mit Eltern gehören gegenseitige Wertschätzung, Respekt, Vertrauen, Akzeptanz von Andersartigkeit, Achtsamkeit im Umgang mit sich selbst und anderen und eine gewisse emotionale Unabhängigkeit und Distanz – vor allem in Konfliktgesprächen, wenn Emotionen hochzukochen drohen.

Die Elternkommunikation muss jederzeit stimmen, auch wenn beispielsweise

  • Tür-und-Angel-Gespräche oft zu ohnehin stressigen Zeiten stattfinden
  • Mitarbeitende mitunter mit starken Gefühlen von Eltern konfrontiert werden
  • mancher Trägerentscheidung möglicherweise auch im Team mit Vorbehalten begegnet wird;

Die hohen Anforderungen an eine professionelle Kommunikation mit Eltern lassen sich leichter erfüllen, wenn Sie wichtige Grundlagen der menschlichen Kommunikation kennen und über einige nützliche Techniken und Methoden verfügen.

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1. Sprache verbindet Wirklichkeiten

Techniken und Methoden allein genügen jedoch nicht. Es ist Ihre innere Haltung, mit der Sie anderen Menschen und der Welt begegnen. Sie beeinflusst in hohem Maß, wie Sie kommunizieren und ob es Ihnen gelingt, eine von dem Wunsch nach Verstehen und Verständigung getragene Verbindung zu anderen Menschen herzustellen und aufrechtzuerhalten, ohne dabei Ihnen wichtige Positionen und fachliche Ansprüche zu vernachlässigen.

Oft genügen schon kleine Anpassungen in der Art und Weise, wie wir sprechen, damit wir uns klarer ausdrücken, besser verstanden werden, weniger Widerstand beim Gegenüber auslösen und letztlich eine bessere Beziehung zu anderen Menschen gestalten, kurz: damit Kommunikation gelingt.

Für diese kleinen Anpassungen ist es hilfreich, einen kurzen Blick darauf zu werfen, wie unser Gehirn arbeitet und wie Haltung, Denken und Sprechen zusammenhängen. Unser Gehirn verarbeitet alle Sinneseindrücke, die unser Körper wahrnimmt. Aus diesen Eindrücken bildet es Modelle der Welt, in der wir leben, aber es ist nicht in der Lage, eine direkte Abbildung der Realität zu liefern. Denn welche Eindrücke wie verarbeitet  werden, um dieses Modell zu bauen, hängt von vielen individuellen Faktoren und Erfahrungen ab.

Niemand ist unter den exakt gleichen Umständen aufgewachsen, niemand wurde auf die exakt gleiche Weise erzogen und hat die exakt gleichen Erfahrungen gemacht wie Sie. Sie sind einzigartig. Niemand ist zu einhundert Prozent identisch mit einem anderen Menschen. Und dementsprechend nimmt jeder von uns die Welt auf eine ganz subjektive Weise wahr. Es ist deshalb unsinnig zu glauben, irgendjemand könne die Welt erkennen, wie sie objektiv oder wirklich ist.

Wir alle bilden uns nur Modelle von der Welt. Trotzdem nehmen die meisten Menschen bewusst oder unbewusst an, ihr Gehirn liefere ihnen eine direkte Abbildung der Welt. Unser subjektives Empfinden suggeriert uns, dass das Abbild, das unser Gehirn von der Welt liefert, identisch mit der Welt ist. Und dass alle Menschen, oder doch wenigstens die meisten, die Welt genauso erlebten wie man selbst. Dieser Irrtum ist die Quelle vieler Missverständnisse, Spannungen und Konflikte.

Wir müssen uns also fortlaufend darum bemühen, eine gemeinsame Realität herzustellen. Sprache ist dazu das Mittel. Wir kommunizieren mit anderen Menschen und versuchen damit, unser individuelles inneres Erleben der Welt mit dem der anderen Menschen zu verbinden.

Kommunikation ist eine vielseitige Vermittlerin zwischen verschiedenen Abbildern der Welt. Nichts, was wir wahrnehmen, ist so, sondern wir nehmen einen Sinneseindruck wahr, filtern und interpretieren ihn auf Basis unseres bisherigen Lebens und Erlebens. Es bildet sozusagen den Rahmen, durch den wir auf die Welt schauen.

Dementsprechend ist nichts an sich gut oder schlecht. Wir selbst entscheiden, welche Bedeutung wir den Dingen und den Empfindungen geben. Und diese meist unbewusst ablaufenden Bedeutungsgebungen zeigen sich in unserer Sprache und in unserem Kommunikationsverhalten. Konkrete Formulierungstipps für eine bessere Kommunikation finden Sie auch hier.

2. (Re-)Framing – den Rahmen bewusst setzen

So hilfreich Sprache sein kann, um uns mitzuteilen und eine gemeinsame Wirklichkeit herzustellen, so tückisch kann sie sein. Wenn wir mit anderen Menschen sprechen, führt das im Alltag häufig zu Unklarheiten und Missverständnissen. Wir geben dem Gesagten unterschiedliche Bedeutungen. Einzelne Begriffe oder ganze Aussagen werden vom Hörer anders interpretiert als vom Sprecher.

Die Deutungsprozesse finden laufend und weitgehend unbewusst statt. Wir sind uns selten darüber bewusst, in welchem Rahmen wir sprechen oder auf welchen Rahmen wir zurückgreifen, um Mitteilungen von anderen zu deuten. (Hier habe ich über Framing in der Unternehmenskommunikation geschrieben.)

Zugleich können Sie sich das in der Elternkommunikation zunutze machen, indem Sie sich den Rahmen (engl. frame) bewusst machen und aktiv verändern (reframing). So wie ein Bild in einem anderen Rahmen eine andere Wirkung hat, so können wir auch unsere Gedanken und Gesagtes in einen anderen Deutungsrahmen setzen.

Mit einer bewussten Veränderung des Deutungsrahmens eröffnen Sie neue Deutungsmöglichkeiten. Die Umdeutung, die durch Reframing geschieht, kann sich auf den Inhalt beziehen oder auf den Kontext. In jedem Fall aber ist sie ein wirkungsvolles Mittel, um Probleme zu lindern oder gar zum Verschwinden zu bringen.

Inhaltliches Reframing

Ein Beispiel: Eltern berichten Ihnen im Gespräch von ihrer Tochter: „Wir machen uns Sorgen, dass sie zu schüchtern ist. Oft steht sie einfach ängstlich am Rand des Spielplatzes. Es dauert sehr lange, bis sie anfängt mit den anderen zu spielen. Da müssen wir fast schon wieder nach Hause gehen.“

Das beschriebene Verhalten können Sie nun aus einer ganz anderen Perspektive sehen: „Aha, sie nimmt sich also Zeit, um zu beobachten und sich einen Überblick zu verschaffen. Und wenn sie den hat, dann scheint sie offenbar leichter ins Spiel mit den anderen Kindern zu kommen. Das beobachten wir hier in der Kita auch. Sie scheint gut darauf zu achten, dass alles in einem für sie passenden Tempo geschieht.“

So geben Sie einer Aussage statt eines defizitorientierten, problemorientierten Rahmens einen lösungsfokussierten, ressourcenorientierten Rahmen. Indem Sie den Deutungsrahmen verändern, weiten Sie den Blickwinkel, ändern die Perspektive auf ein Thema und eröffnen zusätzliche Interpretationsmöglichkeiten.

Beim inhaltlichen Reframing wird das gleiche Verhalten unter einem neuen Blickwinkel plötzlich nicht mehr als problematisch beurteilt. Für das gleiche Phänomen (Kind wartet ab und beobachtet) wird eine passendere Bedeutung gesucht (Kind achtet gut auf seine Bedürfnisse).

Solche Umdeutungen, Neurahmungen und Perspektivwechsel erlauben einen völlig anderen Blick auf die gleiche Situation. Möglicherweise haben die Eltern im Beispiel das Verhalten ihrer Tochter bisher vor allem als Problem gesehen (Kind ist zu schüchtern) und können nun erkennen, dass sich das Verhalten auch ganz anders betrachten lässt: Interpretationsmöglichkeiten des Verhaltens ihrer Tochter, an die sie vorher vielleicht gar nicht gedacht haben.

Dem liegen drei Annahmen zugrunde, nämlich dass …
• jedes menschliche Verhalten in einem bestimmten Kontext sinnvoll ist.
• hinter jedem Verhalten eine positive Absicht steckt.
• jedem Verhalten eine Bedeutung zugeschrieben wird und es keine Bedeutung an sich hat.

Kontext-Reframing

Ausgehend davon, dass jedes Verhalten in einem bestimmten Kontext sinnvoll ist, liegt es nahe, für ein unerwünschtes Verhalten einen sinnvollen Kontext zu finden. Und für den bisherigen Kontext, in dem das Verhalten als unpassend wahrgenommen wurde, kann dann ein neues, passenderes Verhalten entwickelt werden. Blickt man auf diese Weise auf ein „problematisches“ Verhalten, kann man es deutlich positiver betrachten als zuvor.

Absicht und Verhalten trennen

Denken Sie in der Kommunikation mit Eltern daran, dass das eigene Kind für Eltern kein sachliches und rationales Thema ist. Wenn es um das eigene Kind geht, ist das für Eltern eine höchst emotionale Angelegenheit. Eltern können dabei oft auf eine Weise handeln, die Ihnen übertrieben oder völlig unpassend erscheinen mag.

Hier könnte es Ihnen helfen, wenn Sie Absicht und Verhalten voneinander getrennt betrachten. Oftmals kann die Absicht, die hinter einem Verhalten steckt, durchaus positiv sein, das eigentliche Verhalten, mit dem die Absicht sozusagen verwirklicht werden soll, jedoch nicht. Doch wir können die positive Absicht würdigen und das als unpassend erlebte Verhalten durch ein passenderes ersetzen.

3. Lösungsfokussiert zuhören

Gerade in Gesprächen mit Eltern geht es darum, andere wirklich verstehen zu wollen, Neues zu erfahren und gemeinsam Lösungen zu finden.  Eine unverzichtbare Fähigkeit für die professionelle Elternkommunikation ist es deshalb, lösungsfokussiert zuzuhören und mit Fragen das Gespräch in Richtung einer Lösung zu lenken.
Lösung bedeutet in diesem Sinne, dass ein Problem verschwindet. Dass also das, was zuvor als problematisch beurteilt worden ist, nun anders bewertet wird. Um eine Lösung zu erreichen, kann es ganz unterschiedliche Wege geben.

Lösungsfokussiert zuhören heißt, mit der Haltung des Verstehen-wollens zuzuhören und auf das zu achten, was Verständigung erleichtert: Gemeinsamkeiten, geteilte Erfahrungen und Erlebnisse, gemeinsame Wünsche für die Zukunft, gemeinsames Verständnis von Entwicklungsrichtungen.

Die Familientherapeutin Virginia Satir sagte einmal: „Wir kommen zusammen aufgrund von Gemeinsamkeiten und wachsen aufgrund von Unterschieden.“ Beides hat also seine Berechtigung. Wenn wir verstehen wollen, sollten wir auf die Gemeinsamkeiten achten.

Wer aufmerksam zuhört, besucht den anderen in seiner Welt und kann erst dann Gemeinsamkeiten entdecken. Und auch das Hören von graduellen Unterschieden ist wichtig: Gemeint sind damit jedoch nicht die trennenden Unterschiede zwischen den Gesprächspartnern, sondern Unterschiede von früher zu heute, von dem wie es jetzt ist, hin zu einem „besser“. Eine wesentliche Aufgabe unseres Gehirns ist es nämlich, Unterschiede zu erkennen.

Mit der Betonung von Unterschieden, die eine Verbesserung kennzeichnen, können Sie ein Gespräch in eine Richtung lenken, die Sie einer Lösung näher bringen. Damit verhindern Sie, dass sich das Gespräch vor allem um Probleme dreht, denn wie viel auch immer wir über sie sprechen, Probleme gehen nicht einfach weg. Und je mehr wir uns mit ihnen beschäftigen, umso eher erscheinen Lösungen unmöglich oder sehr schwierig. Erstaunlicherweise hilft es nämlich überhaupt nicht, ein Problem genau zu analysieren, es in aller Tiefe zu ergründen und dann zu hoffen, dass man aus den gewonnenen Erkenntnissen eine Lösung entwickeln könnte.

Neben diesen grundlegenden Vorgehensweisen im Gespräch können Sie auch Ihre eigene Art zu sprechen durch kleinere Anpassungen so verändern, dass Sie weniger Widerstand erleben und Verständigung schneller möglich ist.

Lösungsfokussiert denkende Menschen finden ungewöhnliche und kreative Lösungen.

4. Kommunikation mit lösungsorientierten Fragen lenken

Eine Frage, die ein Gespräch von Anfang an auf die Lösung ausrichtet, lautet: „Was sollen wir am Ende des Gesprächs erreicht haben, damit es hilfreich verbrachte Zeit für Sie war?“

Positive Gesprächsgrundlage schaffen

Wenn Eltern eher problemorientiert sind und Sie zunächst eine positive Gesprächsgrundlage herstellen sollten, können Sie fragen: „Was ist gut? Was kann so bleiben? Was läuft (noch) gut, trotz all dem, was gelöst werden soll? Was soll nicht verändert werden?“ So lenken Sie die Aufmerksamkeit auf das, was schon alles an Gutem da ist.

Mit dieser Frage wird der Blick, der ja oft auf ein bestimmtes Problem verengt ist, geweitet und es rücken neben allem, was möglicherweise problematisch ist, auch alle Themen und Aspekte in den Fokus, die gut sind und für die es keine Lösung braucht. Das prägt die Gesprächsatmosphäre von Anfang an sehr positiv und schafft eine gute Grundlage. Mehr zu lösungsorientierten Fragen lesen Sie hier.

5. Klare Sprache vermeidet Widerstände

Wahrscheinlich kennen Sie das: Obwohl Sie sich inhaltlich gut auf ein Gespräch vorbereitet haben und Ihnen selbst sonnenklar ist, was Sie mit Ihren Worten gemeint haben, beim anderen kommt es einfach nicht an oder stößt sogar auf Unverständnis. Missverständnisse entstehen, Spannungen wachsen. Oft bleibt es dann völlig unbegreiflich, wie der andere das nicht verstehen kann.

Und auch umgekehrt gilt: Oft hören wir zwar die Worte, die gesprochen werden, aber wir verstehen nicht, was sie bedeuten sollen und können nicht nachvollziehen, warum etwas gesagt wird. Gespräche mit Eltern sind dabei keine Ausnahme. Achten Sie deshalb auf eine möglichst klare Sprache. Wie Sie möglichst klar sprechen können, habe ich hier beschrieben.

Die hier vorgestellten Werkzeuge und Methoden können einen erheblichen Unterschied machen in der Art und Weise, wie Sie und Ihre Gesprächspartner die Welt sehen und miteinander darüber sprechen. An den Tatsachen, die als problematisch angesehen werden, hat sich vielleicht nichts geändert. Die Perspektive auf das, was vorher problematisch war, hat sich jedoch deutlich verändert. Damit sind Sie in jedem Gespräch der Lösung einen wichtigen Schritt nähergekommen.

Dieser Text ist eine gekürzte und überarbeitete Version eines Beitrag, der zuerst unter dem Titel „Grundlagen für die Kommunikation mit Eltern“ erschienen ist in: Melanie Göb (Hrsg.): Zukunftshandbuch Kindertageseinrichtungen, 1/2020, Regensburg: Walhalla-Verlag. S.47-58

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