Lösungsfokussiert denkende Menschen finden ungewöhnliche und kreative Lösungen.

Vom Problem zur Lösung – oder warum lösungsfokussierte Menschen schneller und einfacher Probleme lösen

Probleme sind ein Teil unseres Lebens. Ob privat oder im Arbeitsleben: Wir sprechen gerne und viel über sie. Die schwierige Entscheidung, das unangenehme Gespräch, die lästigen Aufgaben bei Projekt X, die Kundenreklamation gestern. Wie häufig und lange auch immer wir über sie sprechen: Die Probleme gehen einfach nicht weg, egal wie viele Details zum Problem wir zusammentragen.  Lösungsfokussierung ist das Zauberwort.

Die entscheidende Frage ist nämlich: Wie gehst du mit Problemen um, wenn sie schon nicht weggehen? Kreisen deine Gedanken nur noch um das Problem? Verharrst du in einer Art Problemtrance, die dir viel Energie und noch mehr Nerven raubt? Oder findest du einen Ausweg und es gelingt dir das Problem zu lösen? Und wie schaffst du das?

Probleme sind wie “hässliche dreibeinige Hunde: Sie kommen zu demjenigen, der sich um sie kümmert und bleiben dann dort, selbst wenn man sie jeden Tag beschimpft.” Sagt zumindest Sascha Lobo, und ich glaube, er hat recht. Denn wir bestimmen selbst darüber, ob wir uns dem Problem zuwenden (und es überhaupt als problematisch betrachten) oder nicht und mit welchem Fokus wir es betrachten. Schauen wir auf das Problem oder auf die Lösung?

Lösungsfokussierte Menschen haben es leichter

Menschen, die lösungsfokussiert denken und handeln, haben es leichter im Leben. Warum? Weil sie schneller kreative Ideen für Lösungen entwickeln. Sie werden sich einfacher bewusst, über welche hilfreichen Ressourcen, Fähigkeiten und Erfahrungen sie verfügen, und wie sie mit deren Hilfe neue Wege zu einer Lösung finden können. Sie vertrauen in ihre Lösungskompetenz und erinnern sich an sie, wenn sie mit einem Problem konfrontiert sind. Und daraus entstehen oft überraschende Lösungen, die das Problem zum Verschwinden bringen. 

Problem und Lösung sind voneinander unabhängig

Lösungsfokussiert die Welt zu betrachten heißt anzuerkennen, dass Lösung und Problem voneinander unabhängig sind. Damit werden die vermeintlichen Kausalitätsketten zwischen Problem und Lösung durchbrochen. Es hilft nämlich überhaupt nicht, ein Problem genau zu analysieren, es in aller Tiefe zu ergründen, und dann zu hoffen, dass man aus den gewonnenen Erkenntnissen eine Lösung entwickeln könnte. Im Gegenteil! 

Ich behaupte sogar: Je eingehender man sich mit einem Problem beschäftigt, desto schwieriger wird es, eine Lösung zu finden, weil du dein ganzes Denken, Reden und Handeln voll und ganz auf das Problem ausrichtest. Du fokussierst nicht auf die Lösung. Wie könntest du sie dann erkennen? Du schaust in die Vergangenheit und suchst etwas in der Zukunft. Es ist zwar nicht verboten, sich mit dem Problem und seinen Wurzeln zu beschäftigen. Es ist nur einfach nicht nötig. 

Zugegeben, manchmal tut es einfach gut, sich zunächst intensiv mit einem Problem zu beschäftigen, bevor der Kopf frei ist für eine Lösung. Vielleicht siehst du erst dann viel klarer, was genau du nicht mehr haben willst, was du stattdessen erreichen möchtest und wohin es gehen soll. 

Lineares Denken engt ein

Die Psychologin Insa Sparrer, die im deutschsprachigen Raum die lösungsfokussierte Haltung und Vorgehensweise verkörpert wie kaum eine andere, spricht von einem Paradigmenwechsel. Denn lange ging man zumindest in der Therapie davon aus, dass die Lösung eines Problems zu finden sei, wenn man nur weit genug in die Vergangenheit gehe, an die Wurzel, dorthin, wo alles entstanden ist.

Heute wissen wir: Das bringt uns der Lösung nicht unbedingt näher. Denn diesem Denken liegt eine Kausalität zugrunde, die es in Wirklichkeit gar nicht gibt.  Lineares Denken engt uns ein.

Darüber hinaus lenkt der Blick in die Vergangenheit auch alle Energie in die Vergangenheit. Doch die Lösung soll ja für die Zukunft gesucht werden. Also wäre es doch nur klug, sich auch gedanklich mit der Zukunft zu beschäftigen, oder?

Hilfreiche Fragen auf dem Weg zur Lösung

Ein wichtiger Grundsatz meiner Arbeitsweise ist die Überzeugung, dass alles, was du zur Lösung eines Problems brauchst, schon in dir steckt.  Und vergangene Lösungen können Ideen für zukünftige Lösungen säen. Es gibt einige hilfreiche Frage, die dich an diese beiden Gedanken erinnern und bei der Problemlösung zum lösungsfokussierten Denken führen, zum Beispiel:

  1. Was ist gut? Was kann so bleiben? Was soll nicht verändert werden? Mit dieser wichtigen Frage lenkst du den Blick auf das, was funktioniert und sich bewährt hat, denn das soll nicht verändert werden.
  2. Woran merkst du, dass du das Problem gelöst hast? Was ist dann anders? Was ist statt des Problems da? Es genügt nicht zu wissen, was man nicht will. Du solltest ein starkes Stattdessen haben, um ein Ziel zu haben, das du wirklich erreichen willst. Und mit der Frage nach dem Unterschied („Was ist dann anders?“)  bewegst du dich gedanklich in die Zukunft und malst dir diesen Zustand, den du ja erreichen willst, möglichst detailliert aus. Je konkreter du dir das Ziel – die Lösung – vorstellst, desto einfacher wird der Weg dorthin sein.
  3. Skalenfrage: Auf einer Skala von 0= „Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass es überhaupt eine Lösung für mein Problem gibt.“ bis 10= „Ich habe viele Ideen wie eine Lösung aussehen kann.“ – wo stehst du jetzt? Angenommen, du antwortest „Drei“: Frag dich, wie du es geschafft hast, dass du nicht beim Wert Zwei bist. Wie ist dir das gelungen? 
  4. Woran merkst du, dass du deinem Ziel einen kleinen Schritt (+1 auf der Skala) näher gekommen bist? Wie hast du das geschafft? Was ist dann anders? Mit dieser Frage erinnerst du dich daran, dass schon kleine Schritte genügen können und dass du es warst, die sie gegangen ist. Niemand hat es für dich erreicht. Du verfügst schon über alles, was es für die Lösung braucht. 
  5. Und was noch? Gib dich nicht mit der ersten Antwort zufrieden, bei keiner der Fragen. Tiefer gehende und ausführliche Antworten erhalten wir meistens erst dann, wenn wir mehrmals fragen. Oft ist es die dritte oder vierte Antwort, die das Wesentliche zur Sprache bringt.
  6. Wer merkt es noch? Und woran? Jetzt kannst du dir die Lösung noch genauer ausmalen und sie in deinem Alltag verankern. Denn schließlich ist sie kein Hirngespinst, sondern auch andere Menschen um dich herum  bemerken die Veränderung.

Zugegeben, diese Fragen sind etwas gewöhnungsbedürftig. Wir haben es einfach zu sehr verinnerlicht, uns ausführlich der Ursache eines Problems zu widmen. Von dort versprechen wir uns eine Lösung und glauben fest an eine lineare Ursache-Wirkung-Kette. Für die allermeisten Probleme ist diese Sichtweise jedoch massiv unterkomplex.

Du veränderst deine Sicht auf das Problem

Wie kommt es, dass diese Fragen so wirkungsvoll sind? Sie wecken in dir die Sehnsucht nach einer Lösung und schenken dir Hoffnung, dass es eine Lösung geben kann. Du skizzierst mit ihrer Hilfe ein klareres Bild, wie eine Lösung aussehen kann, und erinnerst dich an deine Fähigkeiten – etwas, das uns im Zustand der Problemorientierung selten gelingt.

Und das macht einen erheblichen Unterschied für die Art und Weise, wie du die Welt siehst. An den Tatsachen, die du als problematisch angesehen hast, hat sich vielleicht nichts geändert. Aber du betrachtest sie mit anderen Augen. Du fühlst dich hoffnungsvoller, stärker und ideenreicher. Du hast deine Haltung gegenüber dem, was vorher problematisch war, geändert. Vielleicht wiegt das Problem nun gar nicht mehr so schwer? Vielleicht hältst du es gar nicht mehr für ein Problem? Damit bist du einer Lösung einen wichtigen Schritt näher gekommen. Oder wie Insa Sparrer sagt: “Die Lösung eines Problems erkennt man am Verschwinden des Problems.”

Vielleicht hört es sich für dich so an, als ob lösungsfokussierte Fragen eher im privaten Bereich nützlich sind. Das sind sie ganz bestimmt. Und darüber hinaus können sie auch im Businesskontext überaus hilfreich sein, denn gerade dort sind Lösungen viel mehr gefragt als die akribische Ursachenanalyse für einen Fehler.

Lösungsfokussierung schafft eine konstruktive Fehlerkultur

Lösungsfokussierung lässt sich auf Themen, die im Kontext von Organisationen und Unternehmen auftauchen, genauso anwenden wie auf persönliche private Fragestellungen. Der Paradigmenwechsel dürfte im Businesskontext vielleicht noch etwas krasser sein, denn schnell führt die Analyse und Ursachenforschung reflexhaft zu einer allzu einfachen Schuldzuweisung. (Stichwort Fehlerkultur). 

Die lösungsfokussierte Art sich mit Problemen auseinanderzusetzen ist anders, als das in den meisten Unternehmen üblich ist. Bei Problemen wird ja meistens intensiv Ursachenforschung betrieben. Lösungsfokussierte Führungskräfte fragen aber nicht nach dem Warum und Woher eines Problems. Sie verzichten auf diese rückwärtsgewandte Frage, weil ihre Antwort nämlich einfach nicht relevant ist, um eine Lösung zu finden. Die Frage, warum ein Problem entstanden ist, führt sehr schnell zu einer Verteidigungshaltung. Und wem fällt dann schon eine gute Lösung ein? Die oben genannten Fragen sind wesentlich hilfreicher, um eine Lösung zu finden, und die problemorientierte Haltung hinter sich zu lassen.

Sich eine lösungsfokussierte Haltung anzueignen, ist einfach, aber nicht leicht. Doch man kann es lernen und üben. Und das Schöne ist: Du wirst rasch Fortschritte erleben, wenn du dich einmal von der Kausalitätskette befreit hast.

Ich unterstütze dich oder dein Team gerne bei der Entwicklung einer lösungsfokussierten Haltung und der Lösung von Problemen, zum Beispiel durch einen Team-Workshop oder ein Einzel-Coaching. Dabei arbeiten wir ganz konkret an aktuellen Themen und finden gemeinsam gute Lösungen. Jetzt anfragen.

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